Lastenfahrräder

Ich erinnere mich nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal konkret über Lastenfahrräder nachdachte. Es wird nun schon mindestens zwei Jahre her sein. Mittlerweile habe ich viel gelesen, gesehen und auch persönlich Erfahrungen gesammelt. Diese möchte ich gerne hier mit Euch teilen.

Grundsätzliches
Lastenfahrräder sind Fahrräder, die aufgrund Ihrer Bauart dazu optimiert sind, Lasten zu tragen. Optimierte Bauart heißt dabei, dass der Rahmen besonders stabil ist und daher mehr tragen kann, als ein normaler Fahrradrahmen und zudem, dass es eine Stelle am Rad gibt, auf oder an der die Last transportiert werden kann.

Bauarten
Bei einem Lastenrad gibt es zwei grundsätzliche Überlegungen: (1) Befindet sich die Ladung vor oder hinter dem Fahrer? (2) Hat das Rad zwei Räder oder mehr? Aus diesen Fragen ergibt sich folgende Produktmatrix. Diese ist selbstverständlich nicht vollständig, sondern zeigt nur eine Auswahl der mir bekannten Modelle.

 Last vor dem Fahrer
Last hinter dem Fahrer
 2 Räder Long John, Long Harry
Larry vs Harry Bullitt
Riese & Müller load
blueLABEL TRANSPORTER hybrid
Xtracycle Edgerunner
Surly Big Dummy
yuba Boda Boda
 3 Räder Christiania
Bellabike
Butchers & Bicycles MK1
Radkutsche Musketier

Motorunterstützung
Seit einigen Jahren bereichern Pedelecs („E-Bikes“) das Fahrradsortiment. Auch Lastenfahrräder können mit einer elektrischen Unterstützung bestellt werden. Hinsichtlich der Motorunterstützung gibt es grundsätzlich drei unterschiedliche Antriebsmöglichkeiten:

  1. Vorderradantrieb (Direct Drive oder Getriebemotor, z.B. von Crystalite oder Ansmann)
  2. Hinterradantrieb (z.B. BionX, Neodrives)
  3. Mittelmotor am Tretlager (z.B. Bosch, Yamaha, Brose)

Elektrische Unterstützung vorne und hinten lässt sich relativ leicht mit etwas handwerklichem Geschick nachrüsten. Mittelmotoren benötigen in aller Regel eine spezielle Rahmenform und können nicht so leicht nachgerüstet werden.

Die Sensorik zur Unterstützung kann bei den verschiedenen Bauarten und Modellen unterschiedlich komfortabel ausfallen. Bei allen Modellen kann es zusätzlich zur Trittunterstützung eine Schiebehilfe per Daumenschalter geben.

Rahmengeometrie
Die unterschiedlichen Lastenfahrradmodelle haben eine zum Teil sehr unterschiedliche Rahmengeometrie und damit Sitzposition. Aus meiner Erfahrung muss man hier probefahren und selbst herausfinden, ob eher der Typ Mountainbike (Bullitt) oder Hollandrad (Bakfiets) passender ist oder ob man eine ansonsten eher fremde Rahmengeometrie als angenehm empfindet (Bellabike).

Nutzungserfahrung
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ein Lastenfahrrad die Nutzungsgewohnheiten von Fahrrad und Auto völlig verändert. Durch den tiefen Schwerpunkt lassen sich auch größere Einkäufe oder Lasten einfach bewegen. Nach ein wenig Eingewöhnung und Übung fällt das Fahren sehr leicht. Ein E-Motor hilft hier beim Anfahren und bei Steigungen natürlich zusätzlich. Durch das recht mühelose Fahren wählt man deutlich öfter das (Lasten-)Rad vor dem Auto. Auch sonst typische Autofahrten zum Getränkemarkt, zum Lebensmitteldiscounter oder zum Kindertransport werden mit dem Lastenfahrrad zum Spaß auf zwei oder drei Rädern. Im Alltag braucht man im innerstädtischen Verkehr eigentlich gar kein Auto mehr, weil man selten Dinge zu transportieren hat, die schwerer als 100 kg sind oder extrem sperrig.

Kosten
Der Anschaffungspreis eines Lastenfahrrades ist etwas höher als bei einem normalen, hochwertigen Fahrrad. Es gibt günstige Modelle (z.B. von Babboe) für ab ca. 1.200 €, die gut fahren und Lasten tragen. Wer mehr ausgibt, bekommt leichtere und sportlichere Modelle. Eine Motorisierung kostet ca. 1.000 € zusätzlich. Mittlerweile gibt es auch immer wieder gute gebrauchte Lastenräder. Die Verschleißteile kosten etwa genausoviel, wie bei einem normalen Rad, müssen aber je nach Nutzung häufiger gewechselt werden. Der Ladestrom eines E-Bikes ist nahezu zu vernachlässigen. Ein Akku hat jedoch eine begrenzte Lebensdauer und ist im Falle eines Austauschs mitunter relativ teuer.

Alternativen?
Wer Lasten mit dem normalen Fahrrad transportieren möchte, ist mit Packtaschen zwar gut bedient, aber irgenwann auch rasch am Ende. Wer die Investition in ein Lastenrad scheuht und trotzdem mehr Wege mit dem Rad erledigen will, für den ist evtl. ein Fahrradanhänger eine relativ brauchbare Alternative. Gute Erfahrungen habe ich mit einem Y-Frame von Carry Freedom, mit dem sich bis zu 90kg bewegen lassen.

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