Wenn im Restaurant das türkische Gebrachte
lecker – aber längst nicht so appetitlich ist
wie die bulgarische Bringende,
dann leidet man. Auf hohem Niveau.
„Mitleid gerne an die bekannte Adresse.“
(Huschka 2006)
Wenn im Restaurant das türkische Gebrachte
lecker – aber längst nicht so appetitlich ist
wie die bulgarische Bringende,
dann leidet man. Auf hohem Niveau.
„Mitleid gerne an die bekannte Adresse.“
(Huschka 2006)
Mittlerweile gehe ich lieber in Kinofilme, die keine Kassenschlager aus Hollywood sind. Speziell deutsche Kinofilme glänzen eher durch nette und detaillierte Geschichten, die auch ohne Millionenbudgets für Special-Effects oder überbezahlte Schauspieler auskommen. Meine letzten beiden Nicht-Hollywood-Filme waren jedoch keine Deutschen.
Ich Du und wie Alle, die wir kennen (Me And You and Everyone We Know), USA 2005
In diesem Film spielen ausschließlich gescheiterte Existenzen. Richard und seine Frau haben sich getrennt; er bekommt die beiden Söhne und zieht mit ihnen in einen deutlich weniger schicken Stadtteil. Seine Söhne verbringen die meiste Zeit des Tages am Computer. Christine (gespielt von der Regisseurin selbst) fährt Rentner mit dem Auto durch die Gegend und vertreibt sich ihre Freizeit damit, Postkarten mit Hilfe ihrer Videocamera zu vertonen.
Alle Figuren sind in irgendeiner Art und Weise einsam und träumen davon, ihre Einsamkeit abzulegen. Dies trifft nicht nur auf die Erwachsenen zu, sondern auch auf die Söhne von Richard, die ihre Mutter vermissen und auf die beiden experimentierfreudigen Mädchen, die ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Nachbar begehen wollen. – Insgesamt spiegelt der Film genau das wieder, was in den Köpfen der Figuren zu sein scheint: Träume und Phantasien.
Das Geheime Leben der Wörter (La Vida Secreta de las Palabras), Spanien 2005
Die angepasste und zuückgezogene Hanna verbringt gezwungenermaßen ihren Urlaub. Durch Zufall an der Küste, in deren Nähe eine Ölplattform, auf der vor Kurzem eine kleine Katastrophe passiert ist. Im Restaurant lauscht sie am Nebentisch, dass dringend eine Krankenschwester gesucht wird. Sie bietet sich an und betreut kurz darauf auf der Ölborinsel den bei der Explosion verletzten Josef, der bettlägerig auf ihre Hilfe angewiesen und krzfristig erblindet ist.
Er spricht ununterbrochen mit ihr; sie bleibt wie immer fast stumm. Doch nach und nach dringt Josef mit seiner leicht provokanten aber doch charmanten Art zu ihr durch. – Unglaublich, wie viel Liebe man in einem so reduzierten Film unterbringen kann. Wortkarger Film mit Heulgarantie!
Auf vielfachen Wunsch veröffentliche ich an dieser Stelle herzliche Grüße an:
So kann es aussehen, wenn es der liebe Gott spieltechnisch überhaupt nicht gut mit einem meint:

Wichtige Feiertage zeichnen sich oft – um nicht zu sagen: meist, um nicht zu sagen: immer – dadurch aus, dass gegessen wird. Gemeinsam. Regelmäßig. Besser als an Nicht-Feiertagen. Mehr als an Nicht-Feiertagen. Man könnte es auch so formulieren:
Wenn man vom Feiertag alle Zeiten der Nahrungsaufnahme abziehen würde, bliebe nicht mehr viel übrig. Das, was übrig bliebe, wären Wartezeiten und Dinge wie „Verdauungsspaziergänge“ oder nötige Pausen, die zur Verrichtung von logistischen oder kulinarischen Vorbereitungstätigkeiten nötig sind.
Kurzum werden entweder alle Tätigkeiten während des Essens vollzogen (Reden z.B.) oder aber alle Tätigkeiten dienen primär oder sekundär dem Essen.
Obwohl ich selbst auch gerne gut esse: müssen Feiertage so sein? Gibt es nicht auch eine andere Form?
Mein aktueller Filmtipp: Ice Age 2 – Jetzt taut’s. 90 Minuten lang Spaß und Spannung und eine unglaubliche Computeranimation.
Anschauen!
Nach mehreren Fußkilometern stand ich vor einem Geschäfts, dass genau das im Angebot hatte, was ich kaufen wollte. Das Geschäft hatte Bücher, Zeitschriften, Schulzubehör und eine kleine Ecke mit guten Papieren. In dieser kleinen Ecke gab es auch genau das Papier, das ich haben wollte. Einzeln. Wenn Papier im Singular zu kaufen ist, ist es vor allem eins: teuer. Dafür aber auch ganz gut. Gut hinsichtlich der Farbigkeit, der Haptik, der Verarbeitung und auch hinsichtlich der möglichen Weiterverarbeitung. Auf billigen Papieren trocknet mitunter Tinte schlecht und ungleichmäßig, hält Toner nicht richtig oder verläuft Druckertinte. Und zu diesem Papier gab es sogar noch gefütterte Umschläge und Karten, die im Gegensatz zum preisgünstigeren Substitut auch vorgenutet sind, so dass kein Falzbruch eintsteht. Das Einzige, was ich an diesem Papier bemängeln würde, ist die Tatsache, dass der Hersteller auf jeden Bogen, auf jede Karte, auf jeden Umschlag einen zwar kleinen, aber doch sichtbaren Barcode gedruckt hat. Kein Haftaufkleber, wie es andere Hersteller tun. Nein – ein fester Aufdruck. Das Leben ist halt immer nur fast perfekt. Der Apfel im Paradies war schließlich auch nicht ganz koscher…
Ich stand also vor dem frohen Regal meist gepuderter Farben und wählte mir die schönsten Farbtöne aus, je drei von jeder Sorte. Dazu nahm ich natürlich nicht die abgegriffenen Seiten von oben, sondern stets aus der Mitte. Von dort, wo noch keine Ecken abgestoßen oder Ränder gesplissen sind, wo noch kein Dreck von der Straße fingerförmig abgemalt ist.
Vorsichtig ging ich mit dem hübschen Stapel zur Kasse samt Reptil davor. Vor dem Kopf des Reptils stand eine Frau mit ausgeprägter Adipositas in einer weiße Bluse hinter der Theke. An ihr war leider nichts hübsches, nichts elegantes. Nicht einmal ein freundliches Lächeln oder ein netter Satz drang aus Ihrem Leib. An ihr war – zumindest in diesen Minuten – nichts, was ein positives Attribut verdient hätte. Sie bediente nicht die Kunden in der Schlange. Sie arbeitete die Schlange ab. Man konnte ihr richtig ansehen, wie die Arbeit genau das war, was sie sich nicht unter „erfüllend“ oder „befriedigend“ vorstellte.
Als ich an der Reihe war, kam rasch der Punkt, an dem ich mir innerlich vorbete, die Ruhe zu bewahren. Nicht nur, dass die Bedienung Abarbeiterin aus der Nähe noch unangenehmer war und man ihre groben, verhornten Hände mit schlechtgepflegten Nägeln sah. Sie war auch offensichtlich nicht von mir bzw. meinem Kauf angetan: „Wohl von jedem eins, was? Jetzt muss ich ja jeden Bogen einzeln scannen!“ Die Entschuldigung, dass es nicht meine Idee wäre mit den unterschiedlichen Barcodes, ersparte ich mir und brummte nur, als könnte ich nicht sprechen. Um meinem Einkauf besser auf den Grund zu gehen, kneteten und bogen ihre schuppigen Hornhände meinen Kauf, ratschten an den Kanten vorbei und sortierten die Dreierstapel einzeln aus. „Drei.“ – Piep. – “ Nochmal drei.“ – Piep. – „Hmm.“ – Piep. – Nach jedem Scannerpiepen legte sie das schon Gescannte unachtsam auf einen Stapel, bog und zog die nächten drei Bögen vom Stapel, der in ihrer Hand klemmte. Piep. – „Drei.“ – Piep. – Der Lerneffekt war offensichtlich gering. Bei jeder Farbe zählte sie erneut nach. Es waren immer drei. Sie hätte mich auch fragen können. Ich hätte es auch ungefragt sagen können, aber ich war gelähmt. Diese Frau entweihte soeben meinen Kauf. Grade war alles noch perfekt, grade, glatt, einheitlich. Nun lagen verbogene Papiere kreuz und quer vor mir. Was glaubte diese Frau eigentlich, wer sie ist? Zehn dieser Bögen waren so teuer wie 500 Blatt ordinären Druckerpapiers. Doch diese Person tut so, als würde sie dazu verdonnert sein, im Feinkostladen Pansen zu zählen. – Piep. – „Zwanzichfuffzich. Kundenkarte?“ – Ich gab ihr brummend Gewünschtes und sah, wie sie den unsortierten Stapel von der Oberkante einer viel zu großen Plastiktüte bis auf ihren Boden fallen ließ. Ruhe bewahren!
Ich wundere mich selbst, dass ich nichts gesagt habe. Nicht mal meine Mimik sagte ihr offensichtlich, was sie da grade anrichtete. In einer anderen Welt hätte ich ihr den Kiefer gebrochen.