Schlagwort: Nerd

  • Honig mit Strom

    Stefan Honig ist der Sänger von Benevolent. Eigentlich spielt Benevolent fast ausschließlich Akustik-Instrumente, was der Tiefe der Musik absolut zuträglich ist. Dass es auch etwas elektronischer geht, ohne an Gefühl zu verlieren, zeigt der 17-jährige Marius aka „The black dwarf star“. Angeblich aus Langeweile schnitzt er elektronische Musik. Bei seinem Stück „Waving Flags“ hat er Stefan Honig als Sänger gewinnen können. Es klingt prima! Bravo, Marius. Wenn sowas aus Langeweile entsteht, dann langweile Dich bitte in Zukunft noch etwas mehr!

    Zu hören hier: http://www.myspace.com/theblackdwarfstar

  • Kurzreviews vom Filmfest Emden/Norderney

    Die Auswahl der Filme des diesjährigen Filmfestes Emden/Norderney zeigte Geschmack und ich daher Gefallen. Leider habe ich es trotzdem nur in drei der vielen Filme geschafft.

    Was wenn der Tod uns scheidet?
    Neun Schicksale von Menschen, die einander verlieren und verloren. Vermutliche Triebfeder des Films: Vernunft und Verlust

    Vier sind einer zuviel
    Eine Frau erkennt die Liebe zu Ihrem Mann erst wieder, als er sich selber wieder findet. Uncineastische Liebes-Komödie mit Happy-End. – Auf den Film kann man gut im Kino verzichten und auf die Fernsehausstrahlung warten.

    When did you see your father last time?
    Als sein Vater im Sterben liegt, erkennt der Hauptdarsteller in vielen Flashbacks in verschiedene Zeiten der Vergangenheit, was für ein Vater der Vater wirklich für ihn war: ein ziemlicher Drecksack.

  • Charlotte Roche: Feuchtgebiete

    Allen Unkenrufen zum Trotz bin ich dem Hype um das Buch Feuchtgebiete von Charlotte Roche gefolgt und habe es gelesen. Ich bin nicht der Meinung, dass es sich um einen Pornoroman handelt; jedoch sind weite Strecken ekelig. Bzw. sind einige Stellen das, was man ekeliger als „normal“ bezeichnen könnte. Bei dieser Gelegenheit lernt man auch, was Smegma ist. Wohl liegt es auch an diesem Buch, dass Google seit Anfang 2008 einen starken Zuwachs an Suchanfragen nach diesem Wort zu verzeichnen hat.

    Auch wenn als Gefühlte mit diesem Buch vor allem Ekel und Abscheu hervorgerufen werden können und diese Gefühlsregungen das Buch interessant machen, bleibt es darauf beschränkt. Der Plot des Buchs ist nett, aber nicht besonders einfallsreich.

    Kurzum: mich hat es nicht völlig begeistert, aber unterhalten. Leseempfehlung, wenn man grade nichts wichtigeres vor hat.

  • Wer fragt, der führt.

    Sie hieß Jasmin, wird morgen 18 und hatte in der letzten Zeit viel Stress, weil Sie zuhause ausgezogen ist, sich ummelden musste und eine neue Ausbildung zur Integrationsfachkraft angefangen hat. Eine Ausbildung, in der man zwar viel lernt, aber zwischendurch auch mal „so blöde Sachen machen muss“ – telefonieren z.B. Außerdem war Sie sehr verwundert, dass ich sie geografisch recht schnell einzuordnen wusste und zugab: „Ja, ich wohne in Oldenbourg.“ Mich verwunderte eher, dass sie selbst kein Handy hat, denn…

    Über dem ganzen Plausch hat sie leider vergessen, was Sie eigentlich wollte, als sie mich anrief: per Kaltakquise einen neuen Handyvertrag von Mogelcom andrehen nämlich. Ich habe wohl offensichtlich einfach zu viele Fragen gestellt. 🙂

    Dieses Telefonat ist meine persönliche Weiterentwicklung vom „Gegenscript„. Meine Einstiegsfrage werde ich ab jetzt aber beibehalten: „Würden Sie sich selbst für das interessieren, wenn ich Sie anrufen würde und Ihnen genau das erzählen würde, was Sie mir jetzt gleich erzählen wollen?“

  • Der Name ist nicht Programm

    Ganz bezaubernder Animationsfilm zum Thema Entscheidungen:

  • Meine kabarettistische Neuentdeckung: Hagen Rether

    Ruhig, ziemlich fundiert und richtig böse.

  • Wenn Seiten lahmen

    Wenn sich Internetseiten langsam aufbauen, ist der Schuldige vermeindlich schnell gefunden: die Internetverbindung. Wenn aber trotz flottem DSL der Seitenaufbau lahmt, sucht man die Schuld oft auf der Gegenseite: dem Server. Diese beiden Schuldvermutungen klingen plausibel und sind in sofern angenehm, als dass man selbst nicht der Schuldige ist.

    Dass beim Surfen durch das Internet aber viele Komponenten beteiligt sind, die auf das Geschwindigkeitserleben Einfluss haben, wird dabei oft vernachlässigt. Speziell der verwendete Internetbrowser verschlingt immer mehr Systemressourcen, da an ihn immer größere technische Anforderungen gestellt werden. Neben immer üppigeren Grafiken kosten auch CSS und JavaScript-Komponenten zusätzliche Rechenleistung, die sich in einer längeren Renderzeit niederschlägt. Speziell die zusätzliche Rechenzeit für JavaScript wird immer beträchtlicher, da diese Programmiersprache dank Web 2.0-Architekturen und AJAX(-Frameworks) in immer mehr Internetanwendungen implementiert wird.

    Im Browsermarkt sorgt seit kurzem Apples Safari für einen Turbo. Der Mac-Browser, der auch für Windows kostenlos verfügbar ist, zeigt sich im Seitenaufbau deutlich zügiger als die gesamte Konkurrenz. Laut Benchmarks ist Safari 1,9x schneller als Microsofts Internet Explorer und auch 1,7x schneller als Firefox. Benchmarks hin oder her. Ich habe es ausprobiert und Safari zeigt sich insgesamt sehr flink. Besonders bei komplexen und technisch aufwändigen Seiten hängt Safari alles ab, was ich kenne.

    Um von einem flotteren Browser zu profitieren müssen jedoch auch die Internetseiten entsprechend programmiert sein, denn die verschiedenen Browser verarbeiten Internetseiten nicht absolut gleich. Vor einigen Monaten hatte ich in ein Internet-Anwendung Einsicht, welche einzig und allein den Internet Explorer als möglichen Browser vorsah, diesen mit mächtig viel JavaScript beschickte und das Anwendungsgefühl sehr träge machte. Als vergeblicher Ausweg wurde der Server nachgerüstet, was erwartungsgemäß keine nennenswerte Beschleunigung brachte. Schade, dass der Hersteller dieser Software nicht flexibler programmierte. Ein einfacher Umstieg auf einen flinkeren Browser hätte damit nicht nur mehr Spaß bereitet, sondern auch die zusätzlichen Investitionen in neue Serverhardware vermieden.

  • phpwcms mit mehreren Domains

    Das Content-Management-System phpwcms bringt von Hause aus keine Funktion für mehrere Domains mit. Wenn man das System auf einem Webspace-Paket installiert, welches mit mehreren Domains konnektiert ist, wird also standardmäßig unter jeder Domain der gleiche Inhalt angezeigt. Wenn eine Internetpräsenz über verschiedene Länder- und Sprachversionen verfügt, kann es jedoch wünschenswert sein, dass jede einzelne Domain direkt mit einer spezifischen Einstiegsseite beginnt.

    Dazu ist lediglich der folgende kleine Workaround nötig.

    1. Zunächst muss eine Datei angelegt werden, welche die verschiedenen Domains mit unterschiedlichen Inhaltsseiten verknüft. Ich nenne diese meist redirect.php.

    2. In diese Datei kommt folgender Code, welcher angepasst werden muss und um beliebig viele Domains ergänzt werden kann.

    <?php 
    
    if ( $_SERVER[`SERVER_NAME`] == `www.domain1.tld` ) {
        header( "HTTP/1.1 301 Moved Permanently" ); 
        header(`Location: http://`. $_SERVER[`SERVER_NAME`] .`/index.php?inhalt1`); 
    }
    
    if ( $_SERVER[`SERVER_NAME`] == `www.domain2.tld` ) {
        header( "HTTP/1.1 301 Moved Permanently" ); 
        header(`Location: http://`. $_SERVER[`SERVER_NAME`] .`/index.php?inhalt2`); 
    }
    
    ?>

    3. Damit die Datei redirect.php vor der index.php ausgeführt wird, muss in der .htaccess noch folgende Zeit hinzugefügt werden:

    DirectoryIndex redirect.php index.php

    Das war es dann schon!

  • Vom Schweigen

    Nicht zuletzt der Kommunikationswissenschaftler in mir treibt mich zum kontinuierlichen Medienkonsum. Sicherlich bin ich als „Heavy User“ zu bezeichnen, was die Nutzung der verschiedenstens Medien angeht. Im Bad höre ich WDR5, beim Joggen die unterschiedlichsten Podcasts, mir bisher unbekante Zeitschriften blättere ich mindestens durch und im Fernsehen bemühe ich mich zumindest jedes neue Format einmal anzuschauen. Zudem würde ich mich freuen, wenn das Programmkino um die Ecke irgendwas sinnvolles mit meiner Payback-Karte anfangen könnte.

    Was das Fernsehen angeht, fallen mir derzeit wenig postive Aspekte ein. Die Zunahme an Sendeplätzen und somit Sendezeit bei gleichbleibendem Vorhandensein von nennenswerten Inhalten erzeugt vielfach inhaltiche Leeren. Das Fernsehen hat es geschafft, Belanglosigkeiten und Alltäglichkeiten derart zu überschminken, dass wir nun nicht nur Menschen beim Leben in einem Kontainer, beim Renovieren einer Doppelgarage oder beim Kochen zuschauen können. Es gibt sogar Sendungen, in denen eine halbe Stunde lang geputzt und aufgeräumt wird. Dazu passend: „Was ist langweiliger als angeln? – Beim Angeln zusehen.“ Hiermit biete ich mich an, mich beim Autowaschen filmen zu lassen! Oder beim Rasenmähen. Oder Nägelschneiden.

    Heute habe ich im Fernsehen ein neues Format einer Kochsendung entdeckt, was mich spontan begeisterte und was gut zu dem Artikel „Vom Schweigen“ passt, den ich im katholischen Magazin „Theo“ las*, dass ich einem Obdachlosen in Düsseldorf abkaufte. Die Sendung auf 3sat heißt Silent Cooking. Und der Titel hält sein Versprechen: hier wird gekocht. Und zwar still. Niemand redet, niemand kommentiert. Die nötigsten Informationen werden in schnörkellosen Infoboxen eingeblendet. „Weißbrot rösten“. Kein Gequatsche. Nur ein bißchen laue Musik dazu. Und die ist so gut, dass man sie sogar kaufen kann. Ich finde es prima. Und gleichzeitig weiß ich, dass diese Sendung niemals einen besseren Sendeplatz bekommen wird. Weil Talk, Titten und Traraa bessere Quoten bringt, als ein unrasierter Koch mit Dreadlocks, der Pansen mit Sellerie anbrät.

    *Und weil mir der Artikel in Theo so gut gefallen hat, hier noch ein prima Zitat von Kierkegaard: „Wenn ich Arzt wäre und man mich fragte: Was rätst du? – ich würde antworten: schaffe Schweigen.