Ostatni dzwonek (Beim letzten Klingelzeichen, PL 1989)

Völlig falsche Erwartungen zogen uns in diesen polnischen Kinofilm. Manche Erwartungen entsprangen nur mir und meiner Phantasie, manche wurden von der kurzen Vorrede erweckt, in denen Analogien u.a. zur legendären „Feuerzangenbowle“ gezogen wurden. Und während ich vom letzten osteuropäischen Kinofilm (Import-Export) sehr angetan war, so konnte mich dieser nicht recht rühren.

Zunächst war er filmisch ungewohnt: Bild- und Tonqualität waren mau, das Bildverhältnis uncineastisch 3:4. Was mich jedoch am meisten störte, war die Synchronisierung. Allen Synchronisierungen gemein ist wohl, dass sie die Stimme und Stimmung der Originalsprache nicht genau wiedergeben können, weswegen viele mir bekannte Personen immer darauf schwören, dass „englische Filme im Original total viel besser“ sind. Ich habe mittlerweile Übung darin, mit Hinweis auf „Die Simpsons“ diese Behauptung – wenn nicht zu widerlegen – so wenigstens zu entkräften, weil ich Filme gerne auf Deutsch sehe und höre. In diesem Film jedoch waren nicht nur die Sprechszenen synchronisiert, sondern auch die zahlreichen Gesangsszenen, welche dem Film zwischenzeitlich die Erscheinung eines Musicals verleihen. Diese Gesangsszenen wurden jedoch nicht auf deutsch Übersungen, sondern mit dem Duktus eines Simultanübersetzers drübergesprochen, was die mitunter starke Emotionalität dieser Lieder völlig auslöschte. An dieser Stelle hätte ich mir Untertitel gewünscht. Schnörkellos oder funktionell.

Vielleicht mochte ich den Film insgesamt aber auch nicht so recht, weil ich weder in ihm wiederfand, noch die damalige Situation nachempfinden konnte. Der Film fußte auf Gegebenheiten in Polen, die zwar zu meinen Lebzeiten, jedoch nicht zu meinen Bewußtzeiten gehören. Und auch im Jahr 1989 als der Film gedreht wurde, war mein Interesse für Osteuropa noch gering; es wuchs erst später.

Mit im Kino waren sehr viele polnischsprachige Zugucker. Vermutlich teils weil der Film polnisch war, vielleicht auch weil der Abend vom Deutschen Polen-Institut organisiert war; wahrscheinlich beides. Eben diese Mitgucker hatten während des Films aber entschieden mehr Freude als ich, woraus ich schließe, dass meine Kritik nicht dem Film selbst geschuldet ist, sondern offensichtlich meiner Inkompatibilität mit ihm.

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