Gestern Abend habe ich zusammen mit Freunden nun also zum ersten Mal bei einer Critical Mass-Aktion teilgenommen. Gegen 18 Uhr versammelten sich am Elisenbrunnen ca. 60 Radler. Eine bunte Mischung netter Menschen vom Kindergartenkind bis zu Rentnerin und mit den unterschiedlichsten Fahrrädern.
Gemeinsam fuhren wir etwa eine Stunde durch Aachen und haben uns dabei möglichst korrekt an die Straßenverkehrsordnung gehalten. Dies bedeutete jedoch bei dieser Anzahl von Radlern, dass wir gemäß § 27 StVO einen Verband bildeten und uns entsprechend wie ein einziges Fahrzeug verhielten. Dies war zunächst ungewohnt, hat aber dann unsererseits gut funktioniert. Wir wurden während der einstündigen Tour zwei Mal von Polizeiwagen überholt, die unsere Radtour kommentarlos beobachteten.
Beim Überfahren von Kreuzungen gab es leider hin und wieder hupendes Unverständnis von Autofahrern. Schockierend fand ich jedoch zwei Erlebnisse:
Vor dem Marschiertor fuhr ein Auto neben mich. Der Fahrer fragte mich durch die geöffnete Seitenscheibe, ob wir eine angemeldete Demo wären, was ich verneinte. Dann fragte er, ob wir nicht alle am rechten Straßenrand hintereinander fahren könnten, was ich mit Hinweis auf einen geschlossenen Verband ebenfalls verneinte und ihn bat, hinter uns zu bleiben, bis er überholen kann. Leider war er wohl sehr ungeduldig und wartete nicht, sondern versuchte dann seitlich in die Fahrradgruppe zu fahren. Dass er dabei fahrlässig oder gar mutwillig eine ganze Gruppe Radfahrer inkl. mitfahrender Kinder gefährdete, schien ihn eher zu belustigen. Er lies auch anschließend nicht von uns ab, sondern versuche erneut mit seinem Auto aus der Bachstraße kommend in den Verband auf der Zollernstraße einzudringen.
Im Frankenberger Viertel befuhren wir gemeinsam die Oppenhoffallee, als plötzlich ein Motorradfahrer hinter mir den Motor seiner Rennmaschine mehrfach aufheulen lies, bevor er dann gefühlt aggressiv in die Fahrradgruppe fuhr.
Ich kann es verstehen, dass man es als Auto- oder Motorradfahrer lästig findet, warten zu müssen. Dass man seinen Unmut durch Hupen oder Handzeichen ausdrückt, wäre für mich noch nachvollziehbar. Die beiden oben beschriebenen Aktionen mit der damit zusammenhängenden Gefährdung kann ich jedoch überhaupt nicht nachvollziehen.
Bei Facebook hat jemand ein paar Critical Mass-Fotos von gestern hochgeladen.
Nachtrag:
Ich habe mich einen Tag später über die Critical Mass in Aachen mit Leuten unterhalten, die nicht dabei waren und selbst zwar ab und zu radfahren, ansonsten aber eher viel mit dem Auto erledigen. Die Reaktionen meiner Gesprächspartner waren für mich sehr unerwartet. Einer behauptete felsenfest, den § 27 StVO gäbe es gar nicht. Eine andere fragte, was die „Scheiße“ überhaupt soll und warum die Fahrradfahrer überhaupt immer so auf der Fahrbahn stören würden. Offenbar steckt das falsche Konzept der ungleichen Berechtigung zwischen Auto und Fahrrad in mehr Köpfen, als ich mir selber vorgestellt habe.

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